Von Friedbert Ottacher
Bitcoin ist längst kein Nischenthema mehr. Mittlerweile besitzen 8% der Österreicher:innen Kryotpwährungen, die meisten davon Bitcoin. Interessant ist dabei, dass besonders die Gruppe der Millennials und der Generation Z ihr Vermögen zunehmend in Bitcoin veranlagen.
Gleichzeitig steht der Non-Profit-Sektor in Österreich Bitcoin noch skeptisch bis abwartend gegenüber. Dabei bietet sich gemeinnützigen Organisationen, die sich jetzt als Pioniere dem Thema “Bitcoin-Spenden” öffnen, die Chance, eine junge, wachsende und bisher weitgehend unbeachtete Spendengruppe zu erschließen.
Warum Bitcoiner:innen spenden?
Bitcoinspender:innen unterscheiden sich deutlich von klassischen Spenderprofilen: Sie sind tendenziell jünger, technikaffin und verfügen aufgrund der Wertentwicklung von Bitcoin oft über beträchtliches Vermögen. Sie handeln werteorientiert: Selbstbestimmung, Freiheit, und Transparenz prägen ihre Weltanschauung.
Sie möchten mit ihrem Vermögen gesellschaftlich etwas bewegen und gleichzeitig die Bitcoin-Adoption fördern. Demgegenüber stehen in Österreich bislang nur vereinzelte Organisation, die Bitcoin einerseits fachlich verstehen und andererseits auch Spenden in Bitcoin akzeptieren.
Die Vorteile von Bitcoin Spenden:
Gegenüber Spenden in Euro bietet Bitcoin einige Vorteile:
• geringe Gebühren
• Zahlungen in Echtzeit ohne Drittparteienrisiko
• hohe Transparenz, da jede Zahlung auf der Blockchain gespeichert wird
Besonders innovativ sind Lightning-Zahlungen, die Kleinspenden praktisch kostenlos und sofort ermöglichen. Für Organisationen, die in Krisengebieten mit schwacher Bankenstruktur arbeiten, kann das ein Gamechanger sein.
Die Bitoin Community verstehen – der Schlüssel zum Erfolg!
Bitcoin ist nicht nur eine Technologie, sondern eine Kultur und Bewegung. Spendenkommunikation, die bei klassischen Zielgruppen funktioniert, läuft bei Bitcoiner:innen oft ins Leere. Erfolgreiche Strategien setzen auf:
- Authentizität und Verständnis von Bitcoin und seinem Potenzial
- Teilen der Werte wie Dezentralität, Datenschutz, Unabhängigkeit
- Präsenz in den relevanten Kanälen: Reddit, Nostr sowie Bitcoin-Konferenzen und Meet-ups.
- Kooperation mit Unternehmen und Persönlichkeiten im Bitcoin Space
Nur NPOs, die das Ökosystem kennen, können nachhaltige Beziehungen aufbauen und Vertrauen schaffen.
Warum nur Bitcoin und keine anderen Kryptowährungen?
Bitcoin ist die erste und mit Abstand größte Kryptowährung. Anders als alle anderen Kryptowährungen gehört Bitcoin keinem Unternehmen, sondern einem globalen Netzwerk mit Millionen von Nutzer:innen. Bitcoiner:innen lehnen andere Kryptowährungen oftmals als „Shitcoins“ ab und reagieren mit Skepsis, wenn gleichzeitig mit Bitcoin auch Spenden in anderen Kryptowährungen eingeworben werden.
Blick nach vorne: Bitcoin als strategisches Asset
Langfristig kann Bitcoin mehr sein als ein Spendenkanal. Einige Organisationen beginnen bereits, Bitcoin in ihrer Rücklage zu halten, um sich gegen die Inflation abzusichern. Andere nutzen Bitcoin als Zahlungsmittel, etwa für Auszahlungen in Ländern mit instabilen Bankensystemen oder für die Unterstützung von Menschenrechtsaktivist:innen.
Fazit
Bitcoin-Fundraising ist kein kurzfristiger Trend, sondern ein Zukunftsmarkt, der sich langsam öffnet. NPOs, die heute beginnen, Wissen aufzubauen, Strukturen zu schaffen und mit der Community zu sprechen, sichern sich einen First-Mover-Vorteil – und damit Zugang zu einer neuen Spendengruppe.
Dass Bitcoiner:innen eine besondere gesellschaftliche Verantwortung tragen, hat nicht zuletzt der 2014 verstorbene Bitcoin Pionier Hal Finney festgehalten: “Nachdem wir durch Bitcoin reich geworden sind (…) sollten wir einen Teil dieses unverdienten Vermögens einem guten Zweck zuführen.“

Friedbert Ottacher
Friedbert Ottacher arbeitet als Programmkoordinator, Autor und Universitätslektor zum Thema Internationale Zusammenarbeit. Seit 2017 ist er begeisterter Bitcoiner, besucht Konferenzen und engagiert sich beim Verein Bitcoin Austria.
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