Künstliche Intelligenz im Fundraising
Chancen nutzen. Wirkung stärken. Verantwortung übernehmen.
Künstliche Intelligenz (KI) entwickelt sich rasant und beeinflusst zunehmend auch den Non-Profit-Sektor. Sie kann dabei helfen, komplexe Daten schneller zu analysieren, Texte und Kampagneninhalte zu entwerfen, Zielgruppen besser zu verstehen und sogar als Trainingspartner für Gesprächsführung zu dienen – etwa zur Vorbereitung auf Spender:innengespräche, Beratungen oder interne Kommunikationssituationen.
Gleichzeitig stellt uns KI vor neue Herausforderungen. Wie lässt sie sich sicher, verantwortungsvoll und datenschutzkonform einsetzen? Welche Risiken bestehen und wie lassen sie sich reduzieren? Und welche rechtlichen Vorgaben gelten bereits heute in Österreich und der EU?
Diese Know-how-Seite bietet Ihnen eine Orientierung: von den Grundlagen über konkrete Einsatzfelder bis hin zu ethischen Fragen, rechtlichen Rahmenbedingungen und praxisnahen Empfehlungen.
Was ist Künstliche Intelligenz?
KI umfasst Technologien, die Aufgaben übernehmen, für die bisher menschliche Intelligenz erforderlich war. Etwa das Analysieren von Texten, das Erkennen von Mustern oder das Treffen von Empfehlungen.
Maschinelles Lernen (ML) bildet dabei die Basis vieler moderner KI-Anwendungen. ML-Modelle erkennen Muster in Daten und nutzen diese, um Vorhersagen zu treffen oder Entscheidungen zu unterstützen.
Große Sprachmodelle (Large Language Models, LLMs) wie ChatGPT, Claude oder Gemini sind darauf spezialisiert, natürliche Sprache zu verstehen und zu erzeugen. Sie können Texte formulieren, Inhalte zusammenfassen oder Ideen entwickeln: eine wertvolle Unterstützung im Fundraising-Alltag.
In der Praxis kommen KI-Funktionen oft nicht nur als einzelne Tools zum Einsatz. Zunehmend werden sie in Anwendungssoftware, Kombinationstools oder agentische Systeme eingebunden, die mehrere Aufgaben miteinander verknüpfen – etwa Analyse, Textunterstützung, Empfehlungen oder Prozessautomatisierung.
Damit Sie KI verantwortungsvoll, datenschutzkonform und strategisch einsetzen können, zählen klare interne Rahmenbedingungen zu den Best Practices. Dazu gehört insbesondere eine KI-Richtlinie, die Orientierung für Mitarbeitende schafft und den sicheren Umgang mit KI im Organisationsalltag unterstützt. Wir stellen unseren Mitgliedern ein Muster kostenlos zur Verfügung (jetzt Mitglied werden).
Häufig gestellte Fragen
(FAQ)
Was ist Prädikative KI?
Vorhersagen für Ihre Entscheidungen
Prädiktive Modelle analysieren strukturierte Daten und berechnen daraus Wahrscheinlichkeiten.
Für NPOs kann das bedeuten:
- Welche Spender:innen sind besonders treu?
- Wer könnte möglicherweise bald abspringen (Churn Prediction)?
- Welche Personen haben Potenzial für höhere Spenden?
- Wie entwickeln sich Spendenerträge in den nächsten Monaten?
Diese Analysen helfen, Ressourcen effizienter einzusetzen und Maßnahmen gezielt zu steuern.
Was ist Generative KI?
Unterstützung für Ihre Kommunikation
Generative KI erstellt neue Inhalte – Texte, Bilder, Audio –, basierend auf trainierten Mustern.
Im Spendenbericht 2023 (s. 24-25) zeigen wir, dass KI bereits heute passgenaue Spendenaufrufe unterstützen, Textentwürfe liefern und Kampagnen zielgenauer gestalten kann.
Typische Anwendungen sind:
- Entwürfe für Mailings, Newsletter und Social Media
- Zusammenfassungen komplexer Inhalte
- Übersetzungen und stilistische Anpassungen
- Ideenfindung für Kampagnen oder Betreffzeilen
KI ersetzt nicht die Expertise von Fundraiser:innen, kann aber viele vorbereitende Schritte beschleunigen.
Welche Chancen birgt KI?
- Effizienzsteigerung: KI übernimmt repetitive Aufgaben wie Textentwürfe für Mailings, Recherchen zu Fördergeber:innen oder erste Auswertungen von Kampagnen. Dadurch gewinnen Fundraiser:innen mehr Zeit für strategische Planung, persönliche Spender:innenkontakte und kreative Kampagnenentwicklung.
- Bessere Zielgruppenansprache: Durch die Analyse von Spender:innenverhalten und Segmenten können Inhalte gezielter auf unterschiedliche Zielgruppen zugeschnitten werden, etwa für Erstspender:innen, Dauerspender:innen oder Großspender:innen. Das erhöht die Relevanz von Mailings, Newslettern und digitalen Kampagnen.
- Höhere Qualität und Konsistenz: KI unterstützt dabei, Texte klar zu strukturieren und an eine einheitliche Tonalität anzupassen – etwa bei Spendenbriefen, Förderanträgen oder Social-Media-Inhalten. So bleibt die Kommunikation über verschiedene Kanäle hinweg konsistent und professionell.
- Schnelle Auswertung großer Datenmengen: Kampagnendaten, Response-Raten oder Online-Interaktionen lassen sich schneller analysieren und miteinander verknüpfen. Dadurch können Trends früher erkannt und Maßnahmen – etwa in laufenden Kampagnen – gezielter angepasst werden.
Welche Risiken birgt KI?
- Bias (Verzerrungen): KI kann gesellschaftliche Stereotype aus Trainingsdaten übernehmen und reproduzieren. Ergebnisse sollten daher kritisch geprüft und im Kontext bewertet werden. (Quelle Präsentation m2)
- Falschinformationen („Halluzinationen“): KI kann Inhalte generieren, die plausibel klingen, aber sachlich falsch oder nicht überprüfbar sind. Eine sorgfältige inhaltliche Kontrolle bleibt daher unerlässlich. (Quelle Präsentation m2)
- Transparenzprobleme: Die Funktionsweise komplexer Modelle ist oft schwer nachvollziehbar („Black Box“). Entscheidungen und Ergebnisse sollten deshalb dokumentiert und erklärbar gemacht werden.
- Abhängigkeit von Datenqualität: Unvollständige oder verzerrte Daten führen zu entsprechend fehlerhaften Ergebnissen. Eine gute Datenbasis ist Voraussetzung für verlässliche Analysen. (Quelle Präsentation 1a)
- Datenschutz: Beim Einsatz von KI können personenbezogene Daten verarbeitet werden, etwa bei Analysen oder personalisierter Ansprache. Organisationen müssen sicherstellen, dass Daten nur auf rechtlicher Grundlage und datensparsam verwendet werden.
- Urheberrecht: KI-generierte Inhalte basieren auf Trainingsdaten, deren Herkunft oft nicht transparent ist. Bei Nutzung und Weiterverarbeitung sollten mögliche urheberrechtliche Fragen geprüft werden.
Welche aktuellen Entwicklungen gibt es?
Die European Fundraising Association bündelt unter dem Schlagwort „Artificial Intelligence“ aktuelle Beiträge, Studien und Praxisimpulse zum Einsatz von KI im Fundraising. Entdecken Sie, wie datenbasierte Ansätze und neue Technologien die Spendenkommunikation verändern und welche Entwicklungen für Ihre Organisation relevant werden.
Was ist neu für Organisation mit OSGS?
KI-Governance wird prüfungsrelevant
Mit den aktuellen Entwicklungen rund um das Österreichische Spendengütesiegel gewinnt auch die organisationale KI-Governance beim Prüfungsverfahren an Bedeutung:
- Organisationen sollten über eine interne KI-Richtlinie verfügen,
- Verantwortlichkeiten klar festlegen
- und sicherstellen, dass Mitarbeitende mit ausreichender KI-Kompetenz arbeiten.
Damit wird KI nicht nur zu einem Innovationsthema, sondern auch zu einer Frage von Qualität, Compliance und Vertrauen.
Best Practices für NPOs
Strategischer Einsatz von KI
- Klar und wirksam starten
Beginnen Sie mit einem klar abgegrenzten Anwendungsfall – etwa Textassistenz oder Mailingentwürfe – und sammeln Sie gezielt Erfahrungen. So schaffen Sie eine fundierte Basis, bevor Sie KI breiter in Ihre Fundraising-Prozesse integrieren. - KI gezielt und zweckgebunden einsetzen
Setzen Sie KI nur dort ein, wo sie einen konkreten Mehrwert für Ihre Organisation und Ihren gemeinnützigen Auftrag schafft. Vermeiden Sie den Einsatz als Selbstzweck und priorisieren Sie Anwendungen mit klarer Wirkung. - Einsatzbereiche klar definieren
Bestimmen Sie verbindlich, in welchen Bereichen KI genutzt werden darf – etwa in der Content-Erstellung, Datenanalyse oder Übersetzung. So schaffen Sie Orientierung und vermeiden Unsicherheiten im Team.
Daten, Tools & Qualität
- Datenqualität und -schutz sicherstellen
Qualitativ hochwertige Ergebnisse setzen strukturierte, gepflegte Daten voraus. Achten Sie zusätzlich darauf, personenbezogene Daten nur in notwendigem Umfang und möglichst anonymisiert zu verwenden. - Bias aktiv erkennen und reduzieren
Überprüfen Sie regelmäßig, ob Daten oder KI-Ergebnisse verzerrte oder stereotype Muster enthalten. Nutzen Sie KI auch bewusst als Instrument zur Qualitätssicherung und Reflexion. - Externe KI-Tools sorgfältig auswählen
Prüfen Sie Anbieter kritisch hinsichtlich Datenquellen, Transparenz und möglicher Risiken. Schließen Sie Anwendungen aus, die nicht mit Ihren ethischen Standards oder rechtlichen Anforderungen vereinbar sind.
Governance, Verantwortung & Prozesse
Verantwortung bewusst wahrnehmen
KI unterstützt Ihre Arbeit, ersetzt aber nicht Ihre fachliche und ethische Verantwortung. Gerade bei sensiblen Themen, Segmentierungen oder Förderentscheidungen bleibt die finale Bewertung immer beim Menschen.Verantwortlichkeiten und Freigaben regeln
Legen Sie fest, wer für Auswahl, Einsatz und Kontrolle von KI-Systemen verantwortlich ist. Neue Anwendungen sollten strukturiert geprüft und freigegeben werden, nicht informell eingeführt.- Dokumentation und Lernprozesse etablieren
Halten Sie fest, welche KI-Anwendungen genutzt werden und welche Erfahrungen damit gemacht werden. Nutzen Sie Fehler und Herausforderungen gezielt, um Ihre Prozesse kontinuierlich zu verbessern. - Meldewege für Risiken und Fehler schaffen
Definieren Sie klare Abläufe für den Umgang mit problematischen KI-Ergebnissen. So stellen Sie sicher, dass Risiken früh erkannt und systematisch adressiert werden. - Eigene KI-Richtlinie entwickeln
Verankern Sie Ihre Prinzipien, Prozesse und Zuständigkeiten in einer klaren internen Richtlinie. Diese schafft Orientierung, Verbindlichkeit und eine gemeinsame Grundlage für den Einsatz von KI.
Transparenz, Kompetenzen & Weiterentwicklung
Transparenz und Nachvollziehbarkeit schaffen
Legen Sie intern klar fest, welche Tools eingesetzt werden, für welche Zwecke und unter welchen Bedingungen. Dokumentieren Sie Prozesse so, dass Entscheidungen und Ergebnisse nachvollziehbar bleiben.Transparenz gegenüber Stakeholdern stärken
Beziehen Sie – wo sinnvoll – Rückmeldungen von Spenderinnen, Partnerinnen oder Zielgruppen ein. Das stärkt Vertrauen und hilft, Ihre KI-Nutzung weiterzuentwickeln.- Kompetenzen im Team aufbauen
Schulen Sie Mitarbeitende und – wenn relevant – auch Ehrenamtliche im Umgang mit KI. Ziel ist es, Wissen breit zu verankern und einen reflektierten Einsatz im gesamten Umfeld zu ermöglichen. - KI als kontinuierlichen Prozess verstehen
Überprüfen Sie regelmäßig die Wirkung, Risiken und Einsatzbereiche Ihrer KI-Anwendungen. Passen Sie Ihre Strategie laufend an neue Entwicklungen und Erkenntnisse an. Rechtliche Entwicklungen aktiv beobachten
Behalten Sie regulatorische Rahmenbedingungen wie den AI Act, Datenschutz und Urheberrecht im Blick. Stellen Sie sicher, dass Ihre Anwendungen den aktuellen Anforderungen entsprechen.- Nachhaltigkeit und Werteorientierung berücksichtigen
Richten Sie den Einsatz von KI an Ihren organisationalen Werten aus. Achten Sie darauf, dass Technologien nicht nur effizient sind, sondern auch gesellschaftlich verantwortungsvoll eingesetzt werden.
Recht und KI
EU AI Act
Das weltweit erste KI-Gesetz
Der EU AI Act (2024) reguliert KI-Systeme nach einem Risikomodell. Je höher das Risiko für Grundrechte, Sicherheit oder gesellschaftliche Prozesse, desto strenger die Vorgaben.
Risikokategorien
- Unzulässiges Risiko: Bestimmte Anwendungen sind verboten (z. B. Social Scoring durch staatliche Stellen, manipulative Systeme, bestimmte biometrische Überwachungsanwendungen).
- Hohes Risiko: KI in sensiblen Bereichen wie kritischer Infrastruktur, Bildung, Beschäftigung, Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen, Justiz und demokratischen Prozessen – hier gelten strenge Anforderungen (Risikomanagement, Dokumentation, Transparenz).
- Begrenztes / geringes Risiko: Viele KI-Anwendungen im Kommunikations- oder Marketingbereich; hier gelten vor allem Transparenz- und Informationspflichten.
AIM AT 2030
Österreich verfolgt mit AIM AT 2030 einen umfassenden Ansatz zur Förderung, Anwendung und Regulierung von KI. Die Umsetzung des EU AI Act wird über einen nationalen Umsetzungsplan begleitet. Organisationen sollten die Entwicklungen beobachten – insbesondere im Hinblick auf Kennzeichnungspflichten von KI-Anwendungen und Hinweise zur verantwortungsvollen Nutzung.
Im Umsetzungsplan 2024 werden konkrete Schritte zur nationalen Umsetzung des AI Act beschrieben, etwa: Die Einrichtung einer KI-Servicestelle, die Einführung einer Kennzeichnungspflicht für KI-Anwendungen in bestimmten Bereichen, Maßnahmen zur Stärkung der KI-Kompetenz in der Bevölkerung (AI Literacy), der Aufbau eines KI-Monitors zur Einschätzung der Chancen und Risiken in Österreich.
Für NPOs bedeutet das: KI-Themen werden zunehmend auch auf nationaler Ebene strukturiert begleitet; es lohnt sich, Entwicklungen rund um Kennzeichnungspflichten und Beratungsangebote im Blick zu behalten.
Datenschutz
Für NPOs ist die Datenschutz-Grund-verordnung (DSGVO) der zentrale Rahmen beim Einsatz von KI:
- Die Verarbeitung personenbezogener Daten für Entwicklung und Nutzung von KI-Modellen muss sich auf eine Rechtsgrundlage stützen (z. B. Einwilligung, berechtigtes Interesse) und die Grundsätze wie Zweckbindung, Datenminimierung und Transparenz beachten.
- Profiling, z. B. zur Spender:innen-Segmentierung, kann zulässig sein, erfordert aber eine sorgfältige Interessenabwägung und transparente Information der Betroffenen.
- Bei sensiblen Daten (z. B. Gesundheitsdaten, politische Meinung, Religion) gelten besonders strenge Bedingungen.
Für generative KI empfehlen Datenschutzbehörden u. a.:
- so wenige personenbezogene Daten wie möglich zu verwenden,
- wo möglich Anonymisierung oder Pseudonymisierung einzusetzen
- und Betroffene nachvollziehbar über die Nutzung aufzuklären.
Seit 2. August 2026 gelten neue Transparenzpflichten des EU AI Act – unter anderem für KI-Chatbots, Deepfakes und bestimmte KI-generierte Inhalte. Einen kompakten Überblick bietet der Beitrag „Neue Transparenzregeln nach der KI-VO“ des Research Institute: Jetzt weiterlesen.
Quellen
Diese Website bietet eine verständlich aufbereitete Einführung in die KI-Verordnung der EU. Inhalte werden übersichtlich erklärt, zusammengefasst und kommentiert – ideal für einen schnellen Einstieg und ein erstes Verständnis der wichtigsten Regelungen.
Die Plattform EUR-Lex stellt den vollständigen, rechtsverbindlichen Gesetzestext der KI-Verordnung bereit. Sie dient als offizielle Referenzquelle und ist insbesondere für juristische Detailfragen oder verbindliche Auslegungen relevant.
Das Research Institute analysiert aktuelle politische Entwicklungen rund um die KI-Verordnung. Der Beitrag zum „Digital Omnibus“ ordnet geplante Anpassungen ein und zeigt, wie sich regulatorische Rahmenbedingungen weiterentwickeln könnten – hilfreich für alle, die über den aktuellen Stand hinausdenken möchten.
News
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33. Österreichischer Fundraising Kongress

- 12.10.2026 - 14.10.2026
- Wien
- #ÖFK2026
Next Level Campaigning mit Strategie & Story



- 10.11.2026 - 30.11.2026
- Doris Müller u.a.
- 900,- für Mitglieder1190,- für Nicht-Mitglieder
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